Strom aus Erdwärme
Die Erdwärme oder auch Geothermie ist eine dauerhaft nutzbare Energiequelle. Theoretisch und rechnerisch könnte man mit Erdwärme den weltweiten Energiebedarf für 100.000 Jahre decken. Praktisch ist dies nicht ganz so einfach, da die Auswirkungen auf die Erdkruste derzeit nicht vorhersehbar sind. Außerdem kann man nur einen kleinen Teil davon technisch nutzen. Trotzdem liegt hier ein enormes Potenzial, vor allem wegen der Wetterunabhängigkeit dieser Energieform. So schießen auch immer mehr Geothermiekraftwerke sprichwörtlich aus dem Boden.
Direkte und Indirekte Nutzung der Erdwärme
Man unterscheidet bei der Nutzung der Erdwärme zwischen zwei unterschiedlichen Arten: der direkten Nutzung und der indirekten Nutzung.Direkte Nutzung
Mit direkter Nutzung meint man die Nutzung der Wärme, beispielsweise zum Heizen. Bereits zu Zeiten des Römischen reiches wurde Erdwärme zur Beheizung von Bädern genutzt, ebenso im Chinesischen und Ottomanischen Reich. Das erste historische, geothermische Fernwärmenetz entstand in Chaudes-Aigues mitten im Herzen Frankreichs. Seine Anfänge reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Bei oberflächennaher Geothermie muss die Temperatur häufig mittels Wärmepumpe angehoben werden. Bei der tiefen Geothermie ist das meist nicht notwendig. Letztere ist die effizientere Variante.Indirekte Nutzung
Mit indirekter Nutzung ist die Stromgewinnung durch Erdwärme gemeint. Erstmals wurde 1913 in der Toskana Erdwärme zur Stromproduktion genutzt. Graf Piero Ginori Conti lies ein Geothermiekraftwerk bauen, dass durch wasserdampfbetriebene Turbinen 220 kW erzeugte. Da sich an dieser Stelle Magma recht dicht unter der Oberfläche befindet, können heute 750 MW Strom ins italienische Energienetz eingespeist werden.In Deutschland befindet sich die Energiegewinnung durch Erdwärme im Vergleich zu anderen EU-Ländern eher noch in den Kinderschuhen – wobei gerade in den letzten Jahren ein regelrechter Boom beim Bau von Geothermiekraftwerken zu beobachten ist. Notwendige Wärmereservoires mit hohen Temperaturen sind in Deutschland eher selten und dann meist nur in großer Tiefe vorhanden. Dies ist mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden, der gegen den Nutzen abgewogen werden muss. In Deutschland gibt es derzeit nur drei Regionen, die für Geothermiekraftwerke in Frage kommen: das Norddeutsche Becken, die Süddeutsche Molasse (Alpenvorland) und der Oberrheingraben. Nur dort stößt man in etwa 1000-3000m Tiefe auf mindestens 100°C heißes Wasser, welches mit 150 Kubikmetern pro Stunde gefördert werden kann. Dies sind die Grundvoraussetzungen für die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerkes. Bei Temperaturen von 150°C und mehr kann die Effizienz des Geothermiekraftwerks sogar noch gesteigert werden. Forschungsarbeiten zur Nutzung in tiefer liegenden Schichten laufen und versprechen die Möglichkeit zur effizienteren Stromnutzung.
