Strom aus der Meeresströmung
Meeresströmungskraftwerke nutzen die natürliche Meeresströmung zur Stromerzeugung. Dabei steht die Turbine an einem Mast frei in der Strömung. Bisher wurden nur wenige solcher Kraftwerke realisiert. Nach Schätzungen könnte man 1-2 Prozent des europaweiten Strombedarfs durch Meeresströmungskraftwerke decken.
Europäisches Potenzial und die Vor- und Nachteile der Meeresströmungskraftwerke
In Deutschland ist der Anteil sehr gering da es keinen geeigneten Standort gibt. In Großbritannien hingegen wird ein Anteil von etwa 20 Prozent erwartet. Der EU-Trend geht hin zu Zusammenschlüssen größerer Anlagen, ähnlich den Windparks.
Die Vorhersagbarkeit und Kontinuität der Meeresströmung stellt einen enormen Vorteil der Meeresströmungskraftwerke dar. So kann jeder Standort sehr gut eingeschätzt werden. Zudem sind die Kraftwerke und der durch sie eingespeiste Strom weniger wetterabhängig. Kommerzielle Anlagen werden komplett unter Wasser konzipiert. Das verringert zum einen die Korrosionsanfälligkeit und zum anderen würde eine Durchmischung mit Luft zu Leistungseinbußen führen. Ein weiteres Plus: die Landschaft wird nicht sichtbar verändert. Die Meeresströmungskraftwerke kommen mit geringen Strömungsgeschwindigkeiten aus, da Wasser eine weitaus höhere Dichte hat. Daher drehen sich die Rotoren auch sehr langsam und stellen vermutlich keine Gefahr für Meerestiere dar.
Die Kraftwerke sind derzeit noch unwirtschaftlicher als andere Techniken, die unter regenerative Techniken zusammen gefasst werden. Zudem werden Mensch und Material vor besondere Herausforderungen gestellt. Die Materialien der Meeresströmungskraftwerke müssen wasserbeständig und unanfällig für Salzwasser sein. Ein Bau und die Wartung unter Wasser gestalten sich schwierig. Da die Turbinen der Strömung Energie entziehen kann dies Auswirkungen auf den Transport von Sedimenten und das Verhalten von Meeresbewohnern haben. Nicht zuletzt verursachen die Turbinen Lärm, der im Wasser transportiert wird.
Funktionsweise der Meeresströmungskraftwerke
Das unter dem Namen Seaflow bekannte Kraftwerk in der Straße von Bristol, an der Küste Cornwalls, wurde von der Universität Kassel geplant und mit der Hilfe eines britischen Ministeriums gebaut. Generell funktionieren Meeresströmungskraftwerke wie ein Windrad, nur dass sich der Rotor unter Wasser bewegt. Die Drehbewegung wird durch einen Generator in Strom umgewandelt. Der Turm des Seaflow an dem der Rotor befestigt ist, misst 50 Meter in der Höhe und wurde 15 m in den Meeresboden getrieben. Durch den Tidenhub schaut er zwischen 5 und 10 Metern aus dem Wasser heraus. Der Rotor mit 11 Meter im Durchmesser verfügt über zwei Rotorblätter die je nach Strömungsrichtung um 180° gedreht werden können. Dieser Prototyp verfügt über eine Nennleistung von 300 kW, ist allerdings nicht an ein Netz angeschlossen. Die Wartung erfolgt über einen Server. Bei Bedarf kann der Rotor hydraulisch am Turm bis über den Meeresspiegel gehoben werden.
Weitere bekannte Meeresströmungskraftwerke sind: SeaGen, das Gezeitenkraftwerk Strangford welches seit 2008 mit 1,2 MW als stärkstes, kommerzielles Kraftwerk seiner Art in Betrieb ist. Die Demonstrationsanlage RITE, welche 2006 auf dem Grund des East River in New York verankert wurde, der Prototyp Kobold in der Straße von Messina, sowie Hammerfest, seit 2003 in Norwegen. Openhydro und Nova Scotia Power haben 2009 in einer Testanlage vor Kanada eine Turbine mit einer Leistung 1 MW ins Wasser gelassen. Sie soll bis zu zwei Jahre lang getestet werden.
