Prognosen für Deutschland


Für das Jahr 2011 können verschiedene Prognosen bezüglich der Wasserkraftnutzung innerhalb Deutschlands abgegeben werden. Zum einen ist die Prognose der Leistungsentwicklung nach Monaten denkbar. Zum anderen kann eine Prognose der Vollbenutzungsstunden nach Monaten getroffen werden. Des Weiteren sind Prognosen der Stromerzeugung aus Wasserkraft, unterteilt nach Monaten, oder auch Prognosen bezüglich der Direktvermarktung möglich.

Die Prognose der Leistungsentwicklung nach Monaten bezieht sich auf die Leistung der jeweiligen Wasserkraftanlagen. Für die Jahre 2008 und 2009 konnte ein Zuwachs der installierten Leistung verzeichnet werden. Die installierte Leistung kennzeichnet die maximale elektrische Leistung der in einem Kraftwerk installierten Generatoren oder der in einem Land bzw. Staat installierten Gesamtleistung aller Kraftwerke. Einer der Hauptgründe für den Zuwachs ist die Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes 2009. Das EEG gilt als eine der rechtlichen Grundlagen für die Stromerzeugung aus Wasserkraft sowie für die Einspeisung dieser in das Stromnetz.
Mit der EEG-Novelle 2009 wurden die Einspeisevergütungen für Strom aus Wasserkraft grundlegend geändert. Vor allem für Neuanlagen wurde die Vergütung erhöht, um einen größeren Anreiz zu schaffen. Gleichzeitig wurde der Vergütungszeitraum von 30 Jahren auf 20 Jahre reduziert.

Ein durch die Novelle hervorgerufener Effekt war, dass Wasserkraftanlagen, welche auch 2008 hätten in Betrieb gehen können, erst 2009 in Betrieb genommen wurden, um von der höheren Vergütung zu profitieren. Ausgehend vom Jahresmittel der Jahre 2008 und 2009, welches bei 67 Megawatt p. a. in Betrieb genommener Anlagen liegt, erhöhte sich der Wert im Vergleich zum Jahresmittel der Jahres 2004 bis 2007, welches bei gut 55 Megawatt p. a. lag, um rund 12 Megawatt p. a. Ausgehend von dieser Tendenz liegt die Vermutung nahe, dass sich auch in den nächsten Jahren der Zubau auf einem höheren Niveau fortsetzen wird, als es vor der Novelle des EEG 2009 der Fall war.

Einen ebenfalls nicht zu verachtenden Einfluss auf den Zubau hat das Wasserhaushaltsgesetz vom 31. Juli 2009. Neben dem Wasserhaushaltsgesetz allgemein legen auch die zuständigen Behörden im Detail für alle oberirdischen Gewässer Bewirtschaftungsziele fest. Dies ist insofern von Interesse für die Wasserkraftnutzung, als dass Wasserkraftanlagen oberirdische Gewässer für die Stromerzeugung benötigen.

Eines der wichtigsten Ziele, die durch die genannten Instanzen festgelegt werden, ist die Wiederherstellung der Durchgängigkeit. Gegebenenfalls kann dies zu einem Rückbau der Stauanlage führen. In § 35 Abs. 3 WHG ist zudem festgelegt, dass geprüft werden muss, ob an den vorhandenen Staustufen eine Wasserkraftnutzung möglich ist. Je nachdem, wie die neuen Regeln umgesetzt werden, kann sich ebenfalls ein Impuls für den Neubau von Wasserkraftanlagen ergeben.

Allerdings wurden Experten gefragt, ob sich das Wasserhaushaltsgesetz eher positiv oder negativ auf die Weiterentwicklung sowie auf den Zubau von Wasserkraftanlagen auswirken werde. Diesbezüglich konnte kein Konsens erreicht werden. Die Meinungen der Experten gehen bei der Frage, ob das WGH die weitere Entwicklung von Wasserkraft eher bremst oder begünstigt, auseinander.
Uneinigkeit herrscht zudem darüber, welches Ausmaß der Zubau der Wasserkraft im Jahr 2011 in Deutschland haben wird. Aus dem nationalen Aktionsplan für Erneuerbare Energien der Bundesregierung geht die Prognose hervor, dass der Zubau der Wasserkraft 2011 lediglich 16 Megawatt betragen werde. Konsultiert man hingegen Prognosen des Bundesverbandes Erneuerbare Energien, geht dieser von Kapazitätszuwächsen für 2010 von rund 100 Megawatt und für 2011 von rund 150 Megawatt aus. Von diesen 150 Megawatt sollen ungefähr 60 Megawatt auf den Ausbau der Kleinwasserkraft entfallen. Zum Jahresende 2010 erscheint dem Verband die Prognose für 2011 nach wie vor realistisch. Der Zuwachs bei Zubau der Wasserkraft kann durch verschiedene Maßnahmen erreicht werden. Maßnahmen sind beispielsweise die Modernisierung und Erweiterung vorhandener Wasserkraftanlagen, der Kapazitätsausbau durch Reaktivierungen sowie der Ausbau der Kapazitäten durch Neubauprojekte an vorhandenen Staustufen.
Vor allem die Modernisierung vorhandener Wasserkraftwerke spielt eine wichtige Rolle. Diese wird zudem mit einer Verbesserung der ökologischen Verhältnisse verbunden.

Denn erst dann können die Anlagen den Anforderungen des Erneuerbare Energien Gesetzes gerecht werden. In der Regel wird der Jahresstromertrag der Anlagen verringert, indem der Wasserdurchfluss durch die Kraftwerke vermindert wird. Mit moderneren Generatoren sind ebenfalls Leistungssteigerungen möglich. Für die Kleinwasserkraft gilt, dass die beiden Effekte, die Leistungsverminderung sowie die Leistungssteigerung, bei den Modernisierungsprojekten ausgleichen. Zukünftig wird bei den Erweiterungsprojekten jedoch einer Vergrößerung der installierten Leistung um jährlich rund 10 Megawatt ausgegangen.
Reaktivierungen bringen, ausgehend von den bisherigen Prognosen, für das Jahr 2011 zwar einen Zuwachs der Wasserkraft um rund 15 Megawatt, allerdings ist das Potenzial dieser Maßnahme annähernd erschöpft. In der Vergangenheit konnte durch die Reaktivierung alter Wasserkraftanlagen ein enormer Leistungszuwachs erzielt werden, doch der Zuwachs sinkt immer weiter. Den Großteil der Leistungssteigerung machen zurzeit die Neubauprojekte an vorhandenen Staustufen oder Wehranlagen aus. Insgesamt werden für 2011 Leistungskapazitäten von rund 1.545 Kilowattstunden in Bezug auf die Wasserkraft erwartet.

Bei der Betrachtung der Stromerzeugung nach Monaten fällt auf, dass die Prognose von schwankenden Werten zwischen den einzelnen Monaten ausgeht. Damit trägt die Prognose den jahreszeitlichen Schwankungen bei der Stromerzeugung aus Wasserkraft Rechnung. Nach den bisherigen Berechnungen wird der März mit 699 Gigawattstunden der Monat, in welchem am meisten Strom erzeugt wird. Danach folgen der April mit voraussichtlich 650 Gigawattstunden und der Januar, in welchem rund 600 Gigawattstunden Strom erzeugt werden sollen. In den Monaten Juni bis Oktober werden die geringsten Strommengen produziert. Juli bis September fallen die Werte unter 400 Gigawattstunden.