Ökostromtarife: Fortschritt für die Umwelt?


Um Verwirrungen vorzubeugen, sollte zunächst erst einmal differenziert werden. Mit Ökostromtarifen sind in diesem Fall die Extratarife regulärer Anbieter gemeint, und nicht die Angebote von reinen, unabhängigen Ökostromanbietern, die all ihre Kunden mit Ökostrom beliefern und häufig auch nur einen einzigen Tarif für Privatkunden haben.

Ökostrom schnell gemacht


Diese Ökostromtarife wurden erstaunlich schnell von sehr vielen Anbietern im Laufe der letzten Jahre eingeführt. Das lässt auf einen wachsenden Wunsch nach umweltfreundlich erzeugtem Strom auf Verbraucherseite schließen und ist zunächst nichts Negatives.
Diese schnelle Einführung von Ökostromtarifen ist allerdings aus bestimmten Gründen so schnell möglich gewesen. Die Tarife werden in der Regel über einen von zwei Wegen realisiert. Häufig werden schlicht nur RECS-Zertifikate von Wasserkraftwerken im Ausland gekauft, mit denen der eigens aus etwa Kohle- oder Atomkraftwerken erzeugte Strom als Ökostrom verkauft werden kann. Diese sind extrem günstig zu erwerben, da in einigen Ländern wie etwa Norwegen ohnehin über 95% des Strombedarfs mit Wasserkraftwerken gedeckt wird und so ein großes Angebot an RECS-Zertifikaten existiert.

Da hier lediglich eine Umetikettierung des Stroms vorliegt, kann von einem nachhaltigen ökologischen Nutzen durch Bestellung dieser Tarife nicht gesprochen werden.

Die andere Methode, die gerade von großen Stromanbietern verwendet wird, ist das Anbieten eines Ökostromtarifes auf Basis der eigenen, bereits vorhandenen Wasserkraftwerke. In diesem Fall wird der verbrauchte Strom zwar tatsächlich aus regenerativen Energien erzeugt, aber ein zusätzlicher Nutzen für die Umwelt entsteht auch hier nicht. Denn diese Kraftwerke erzeugen ihren Strom unabhängig von der Existenz dieser Tarife, da große Wasserkraftwerke wirtschaftlich rentabel sind und zur Grundlastdeckung eingesetzt werden. Das bedeutet also, dass sich am erzeugten Strom nichts ändert, unabhängig davon, ob man als Kunde einen der Ökostromtarife wählt oder nicht.

Zudem werden insbesondere große Pumpspeicherkraftwerke im Zusammenhang mit Ökostrom kritisch betrachtet, da sie zwar regenerative Energien nutzen und CO2-neutral sind, aber einen starken Einfluss auf die betroffenen Gewässer und deren Ökosysteme haben und damit als nicht sehr ökologisch verträglich gelten.

Auch verlangen die Ökostromtarife einiger Anbieter einen Extraförderbeitrag, ähnlich den Beiträgen, die von manchen der unabhängigen Ökostromanbieter erhoben werden. Häufig wird jedoch nicht spezifiziert, wofür dieser Beitrag eingesetzt wird oder welcher zusätzliche Umweltnutzen damit erreicht wurde. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten also nur Anbieter in Betracht gezogen werden, die transparent die Verwendung solcher Beiträge etwa auf ihrer Webseite veröffentlichen. Dies ist bei Ökostromtarifen konventioneller Anbieter häufig nicht der Fall.

Licht am Ende des Tunnels


Es gibt jedoch auch Ausnahmen. Einige Anbieter von Ökostromtarifen, in der Regel kleinere lokale Anbieter oder Stadtwerke, schließen zur Realisierung ihrer Ökostromtarife Verträge mit den unabhängigen Ökostromanbietern ab, die dann für die Belieferung der Kunden, die einen solchen Ökostromtarif gewählt haben, zuständig sind. Obwohl also nicht alle Ökostromtarife von fragwürdigem Umweltnutzen sind, gilt dennoch, dass umweltbewusste Verbraucher besser mit einem echten Ökostromanbieter beraten wären.