Das schwere Schicksal des Ökostroms
Mit diesem Vorurteil wird der Ökostrom oftmals konfrontiert. Doch was ist dran an dem Gerücht? Wie Studien der Vergangenheit belegen konnten, ist Ökostrom nichts zwangsläufig teurer als anderer Strom. Zwar sind die Verbraucher gewöhnt, für Produkte, auf welchen Öko oder Bio steht, tiefer in die Tasche zu greifen, doch nicht immer ist das erforderlich. Ökostromanbieter stehen in den meisten Fällen mit den Strompreisen der Grundversorger auf einer Stufe. Teilweise ist der umweltschonende Strom sogar in wenig günstiger zu haben.
Ökostrom ist teurer als anderer Strom
Diese Aussage soll an einem Beispiel verdeutlicht werden. Im Durchschnitt verbraucht ein Zwei-Personen-Haushalt in einem Jahr 2.800 Kilowattstunden Strom. Ausgehend von diesem Wert verlangt ein Berliner Grundversorger von einem durchschnittlichen Zwei-Personen-Haushalt rund 111 Euro mehr als der günstigste Ökostromanbieter. Wollen Sie nicht gleich den erstbesten Ökostromanbieter auswählen, bietet der fünft-günstigste Ökostromversorger immer noch eine Ersparnis von rund 90 Euro im Jahr gegenüber dem Grundversorger. Sie sehen, Ökostrom heißt nicht gleich teurer Strom.
Im Ökostrom steckt doch sowieso kaum oder kein ‚Öko‘
Seitdem immer öfter darüber berichtet wird, dass Ökostrom eigentlich nur eine Mogelpackung ist, häufen sich die diesbezüglichen Bedenken. Sicherlich gibt es unter den Ökostromanbietern auch schwarze Schafe, die ihren Strom aus fossilen Energieträgern als Ökostrom ausgeben, doch das ist nicht die Regel. Ökologisch korrekt ist Strom, wenn er in Deutschland in Anlagen erzeugt wurde, die nach 1998 entstanden sind und aufgrund der gestiegenen Öko-Strom-Nachfrage zusätzlich gebaut wurden. Als sichere innereuropäische Ökostromquellen gelten Wasserkraftwerke in Norwegen und Österreich.
Ein wirkliches Problem bei der Suche nach Ökostromanbietern stellt die Intransparenz der verschiedenen Stromanbieter dar. Diese erschweren oftmals, aufgrund fehlender Informationen, die Recherche der Stromquellen. Das bedeutet, die Verbraucher erfahren nicht auf einen Blick, aus welcher Quelle der vermeintliche Ökostrom stammt, obwohl dies empfehlenswert wäre. Stattdessen müssen umfangreiche Recherchearbeiten Aufschluss über die Frage geben. Des Weiteren ist für die Verbraucher die Struktur des Strommarktes schwer zu durchschauen. Vor allem die Verstrickungen der Unternehmen untereinander sind undurchsichtig. So kann ein Ökostromanbieter den verkauften Ökostrom zum Beispiel durch Strom aus alten Wasserkraftanlagen oder aus fossilen Energieträgern ersetzen. In diesem Fall ist der eigentliche Ökostrom auch nicht mehr als solcher zu bewerten.
Aber auch diesbezüglich gibt es Verhaltenshinweise, wie Sie nicht in diese Falle tappen. Achten Sie darauf, keine Stromanbieter zu wählen, die Ihnen anbieten, Sie könnten sich Ihren Tarif eigenständig zusammenstellen. Bei diesen stammt zumindest ein Teil der Energie oftmals aus fossilen Energieträgern. Informieren Sie sich auch, ob der Anbieter reinen Ökostrom oder einen Energiemix anbietet. Mit diesen Tipps können Sie beruhigt auf die Suche gehen.
Eine weitere Möglichkeit sicherzustellen, dass der Ökostrom auch wirklich ‚Öko‘ ist, können die verschiedenen Ökostrom-Gütesiegel zu Rate gezogen werden.
Ökostrom-Gütesiegel dienen lediglich den Anbietern
Ein Vorwurf gegen die Gütesiegel, die für Ökostrom ausgestellt werden können, lautet: Die Ökostrom-Gütesiegel dienen lediglich der Vermarktung der Umwelteigenschaft in einer anderen Form. Das würde bedeuten, dass die Siegel keine Auskunft über die Qualität des Ökostroms geben könnten. Doch dieser Vorwurf trifft nicht auf alle Siegel gleichermaßen zu. Beispielsweise sagen Experten, dass das Grüner Strom Label, welches vom Verein Grüner Strom Label e. V. vergeben wird, als weitestgehend vertrauenswürdig gilt. Das bedeutet, Verbraucher müssen auf bestimmte Gütesiegel achten, diese sind dann allerdings auch wirklich geeignet, einen Ökostromanbieter zu finden.
Ein Einzelner kann ohnehin nichts ausrichten
Viele Verbraucher haben das Gefühl, dass sie ohnehin nichts an der Situation ändern können und versuchen es deshalb gar nicht erst. Doch das ist falsch. Jeder Stromkunde, der sich für Ökostrom entscheidet und diesen bezieht, trägt dazu bei, dass ein Teil des Stromes, der aus fossilen Energien gewonnen wird, in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Zwar erhält jeder Verbraucher Strom aus dem Kraftwerk, welches seinem Haus am nächsten ist, allerdings ist dies kein Grund dafür, erst gar nicht zu versuchen, die Umwelt zu schonen. Denn wie gesagt: Je mehr Ökostrom in das öffentliche Stromnetz gelangt, desto weniger herkömmlicher Strom ist erforderlich.
Durch den Wechsel zum Ökostromanbieter fällt die Stromversorgung aus
Immer wieder berichtet, dass Verbraucher nicht den Stromanbieter wechseln, da sie Angst vor Versorgungsausfällen haben. Diese Angst potenziert sich dann durch den Wechsel zu einem Ökostromanbieter. Denn nach wie vor besteht die Annahme, sobald man den Stromversorger wechselt, ist man für eine gewisse Zeit von der Stromversorgung abgekoppelt. Die Meisten geben als Grund für diese Annahme Umbauarbeiten an.
Alle Verbraucher sind gesetzlich vor Versorgungsausfällen bei einem Stromanbieterwechsel, ob nun von einem zu einem anderen herkömmlichen oder zu einem Ökostromanbieter, geschützt. Sollte der neue Versorger in Lieferschwierigkeiten geraten, übernimmt der regionale Grundversorger die Belieferung mit Strom, bis der neue Anbieter wieder in der Lage ist, Strom zu liefern. Das heißt, kein Verbraucher hat bei einem Wechsel zum Ökostromanbieter Versorgungsausfälle zu befürchten.
Der Aufwand, einen Ökostromanbieter zu finden, ist enorm
Sicherlich gibt es auf dem deutschen Strommarkt einige Ökostromanbieter. Doch bei der Suche des geeigneten Lieferanten von Ökostrom können unabhängige Ökostromanbietervergleiche sowie Verbraucherportale helfen. Diese sind kostenlos und liefern die notwendigen Informationen. Ein Vergleich muss lediglich mit ein paar wenigen Informationen, wie dem durchschnittlichen Jahresstromverbrauch sowie der Postleitzahl gefüttert werden und schon sucht dieser geeignete Versorger raus. Unabhängige Verbraucherportale bieten meist, neben den kostenlosen Vergleichen, weitere Informationen zum Thema Ökostrom.
